Passkeys vs. Passwörter: Was ist sicherer?
- Nico Dudli

- 11. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Passkeys sind die moderne und sichere Alternative zu Passwörtern. Doch was macht sie tatsächlich sicherer, wo liegen die Unterschiede und welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI) dabei? In diesem Beitrag bekommst du einen leicht verständlichen Überblick, warum Passkeys in Sachen Sicherheit, Bedienkomfort und Zukunftsfähigkeit die Nase vorn haben – und wie du die neue Login-Methode selbst testen kannst.
Warum sind Passwörter unsicher? (80 % der Datenlecks betroffen)
Passwörter sind seit Jahrzehnten Standard – doch ihre Schwächen werden immer deutlicher:
Phishing-Gefahr: Betrüger locken Nutzer:innen auf gefälschte Seiten, um Passwörter zu stehlen.
Datenlecks: Durch Hackerangriffe bei Onlinediensten gelangen Millionen Passwörter in fremde Hände.
Wiederverwendung & Vergessen: Viele Menschen nutzen das gleiche Passwort mehrfach oder wählen sehr schwache Varianten.
80 % der Datenlecks: Laut einer Verizon-Studie sind gestohlene oder unsichere Passwörter Hauptauslöser für Hackererfolge.
Kurz & bündig: Ein Passwort zu knacken oder abzufischen ist oft leichter, als man denkt. Passwortschutz allein ist nicht mehr ausreichend sicher.

Passkeys erklärt: Wie sie funktionieren & warum sie sicher sind
Passkeys ersetzen das «Geheimwort» durch ein Schlüsselpaar aus privatem und öffentlichem Schlüssel. Dein privater Schlüssel bleibt nur auf deinem Gerät (z. B. Smartphone, Laptop), während der öffentliche Schlüssel bei der Website oder App gespeichert wird.
Kein Phishing-Risiko: Du tippst nirgends ein Passwort ein, das abgefangen werden könnte. Der Passkey ist an die echte Website gebunden, eine gefälschte Seite kann ihn nicht einfach abfragen.
Sicherere Speicherung: Bei einem Datenleck wird nur der öffentliche Schlüssel sichtbar – für Hacker nutzlos.
Bequeme Anmeldung: Anstelle einer Passworteingabe nutzt du Biometrie (Fingerabdruck, Face ID) oder eine PIN. Diese biometrische Information verlässt dabei nie dein Gerät – sie wird nicht an die Website übertragen.
Backup über Passwortmanager: Viele Anbieter erlauben das Sichern von Passkeys, ohne dass du ein separates System brauchst.
Tipp für Einsteiger:innen: Stell dir einen unsichtbaren «Haustürschlüssel» vor, der in deinem Handy oder Laptop steckt. Nur dein Gerät kennt diesen privaten Schlüssel. Die Website erhält nur eine Art Kopie (öffentlicher Schlüssel), die alleine nichts ausrichten kann.
Was sagt die KI dazu?
Immer mehr Dienste nutzen Künstliche Intelligenz, um verdächtige Login-Versuche zu erkennen.
Beispiel:
Ungewöhnliches Verhalten: Loggst du dich plötzlich aus einem weit entfernten Land oder zur Unzeit ein, wird das von KI-Systemen schnell registriert.
Automatisiertes Lernen: Die KI erkennt Muster, etwa wenn in kurzer Zeit hunderte Login-Versuche erfolgen.
Fazit: Passkeys machen den Login-Prozess an sich sicherer. KI hilft zusätzlich, gefährliche Aktivitäten früh zu stoppen und Konten zu schützen.
Was ist nun wirklich sicherer? – Der direkte Vergleich
Kriterium | Passwort | Passkey |
|---|---|---|
Phishing | Sehr anfällig | Praktisch ausgeschlossen |
Datenlecks | Zugangsdaten oft komplett betroffen | Nur öffentlicher Schlüssel, für Hacker unbrauchbar |
Benutzerfreundlichkeit | Eingabe kann lästig sein; häufig vergessen | Anmeldung via Biometrie oder PIN, kein Merken von Passwörtern nötig |
Einsatzgebiete | Überall nutzbar, aber unsicherer Standard | Bei den grössten Anbietern längst Standard oder wird es gerade: Google, Apple und ab September 2026 auch Microsoft Entra ID |
Zukunftsfähigkeit | Kaum Weiterentwicklung, unsicherer Status quo | Moderne Lösung, KI-Unterstützung für höchste Sicherheit |
Erläuterung:
Phishing: Mit Passkeys kein Eingabefeld für Passwörter → Phishing-Angriff zwecklos.
Datenlecks: Selbst bei gehackten Plattformen bleibt dein privater Schlüssel sicher auf deinem Gerät.
Benutzerfreundlichkeit: Nie mehr komplizierte Passwörter ändern, sondern einfach Fingerabdruck oder PIN nutzen.
Zukunftsfähigkeit: Tech-Giganten wie Google, Apple und Microsoft investieren massiv in passwortlose Logins und KI-basierte Sicherheitssysteme.
Update 2026: Microsoft macht Passkeys zum Standard
Der grösste sichtbare Schub für Passkeys kommt 2026 von Microsoft. In Microsoft Entra ID (dem Login-System hinter Microsoft 365 und vielen Firmenkonten) gilt folgender Fahrplan:
Ab 1. September 2026 werden alle Nutzenden, die noch SMS oder Sprachanruf als Login-Methode verwenden, zusätzlich für Passkeys freigeschaltet und beim nächsten Login zur Registrierung aufgefordert. Das bedeutet nicht, dass automatisch ein Passkey erstellt wird – die Aufforderung lässt sich zunächst beliebig oft aufschieben.
Ab 1. Februar 2027 schaltet Microsoft die eigene SMS- und Sprachzustellung ab. Betroffen sind dann nur Nutzende, deren einzige Login-Methode SMS oder Sprachanruf ist und die keine Alternative eingerichtet haben – sie müssen dann zwingend einen Passkey registrieren, bevor sie sich weiter anmelden können. Wer bereits Passkeys, Windows Hello for Business oder eine andere phishing-resistente Methode nutzt, ist davon nicht betroffen.
Auch die Zahlen zeigen den Trend deutlich: Die FIDO Alliance – der Industrieverband hinter dem Passkey-Standard – zählte im Mai 2026 weltweit rund 5 Milliarden aktive Passkeys. In einer Befragung von 11'000 Konsumentinnen und Konsumenten sowie 1'400 Unternehmen gaben 90 % an, Passkeys zu kennen, 75 % hatten mindestens einen eingerichtet, 49 % nutzen sie regelmässig, und 68 % der Unternehmen setzen sie für die Mitarbeiter-Anmeldung bereits ein oder testen sie gerade.
Auch der US-Sicherheitsstandard NIST (SP 800-63B-4) stuft SMS- und Sprachcodes inzwischen offiziell als «eingeschränkt zulässig» ein und hält fest, dass sie – anders als Passkeys – nicht phishing-resistent sind.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So richtest du Passkeys ein
Google Passkeys
Google-Konto öffnen: Gehe auf Google Passkeys und melde dich an.
Passkey erstellen: Folge den Anweisungen, wähle dein Smartphone oder Laptop als Gerät.
Biometrie/PIN festlegen: Bestätige deine Identität mit Fingerabdruck, Face ID oder PIN.
Hier geht es zur Anleitung von Google (offizielle Google-Hilfe-Seite)
Apple Passkeys
Einstellungen → «Passwörter»
Auf iPhone/iPad oder Mac findest du die Option «Passkey erstellen».
Passkey anlegen: Kurz den Schritten folgen.
Speicherung in iCloud: Dein Passkey ist auf all deinen Apple-Geräten automatisch verfügbar.
Hier geht es zur Anleitung von Apple (offizielle Apple-Hilfe-Seite)
Microsoft Passkeys
Gehe auf dein Microsoft-Konto unter account.microsoft.com und öffne den Bereich «Sicherheit».
Wähle «Erweiterte Sicherheitsoptionen» und dort die Option, einen Passkey hinzuzufügen.
Bestätige mit Windows Hello, Fingerabdruck, Face ID oder Geräte-PIN.
Bei einem Firmenkonto über Microsoft Entra ID erhältst du die Aufforderung automatisch beim nächsten Login, sobald deine Organisation die Umstellung aktiviert hat – frag im Zweifel deine IT-Abteilung nach dem Zeitplan.
Tipp: Nutze einen Passwortmanager (z. B. 1Password, Dashlane), um deine Passkeys bequem auf mehreren Geräten zu verwalten und immer ein Backup zu haben.
Fazit: Passkeys sind (fast) immer sicherer als Passwörter
Schutz vor Phishing: Keine Eingabefelder für ein Passwort = kaum Angriffsfläche.
Geringere Folgen bei Datenlecks: Hacker bekommen keinen Zugang zu deinem Konto.
Einfache Bedienung: Biometrische Anmeldung ist schneller als jedes komplizierte Passwort.
KI-gestützte Abwehr: Zusätzlich hilft Künstliche Intelligenz, Betrugsversuche automatisch zu erkennen.
Grosse Anbieter ziehen nach: Mit dem Microsoft-Entra-Fahrplan 2026/2027 wird Passkey-Login auch im Firmenumfeld zum Standard statt zur Ausnahme.
Wer jetzt auf Passkeys umsteigt, legt den Grundstein für eine sicherere Online-Zukunft. Zwar sind Passwörter nicht komplett verschwunden, doch bei jedem Dienst, der Passkeys anbietet, lohnt sich die Umstellung allemal.
Quellen
Microsoft Learn: «Passkeys by default and retirement of Microsoft-provided SMS and voice authentication» (Stand 3.8.2026)
FIDO Alliance: «State of Passkeys 2026» (Mai 2026)
NIST SP 800-63B-4, Digital Identity Guidelines – Authenticators
Verizon Data Breach Investigations Report (Passwort-Statistik)


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