Data-Resilience 2026: Die Checkliste, die entscheidet, ob Ihre Daten sicher sind
- Paul Speciale

- vor 53 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
Von globalen IT-Ausfällen bis hin zu KI-Modellen, die Unsinn erzählen: Das Jahr 2025 war ein echter Stresstest für die digitale Welt. Es hat uns gezeigt, wo unsere Technik an ihre Grenzen stösst.
Künstliche Intelligenz (KI) ist hungrig nach Daten, doch oft waren die Leitungen zu langsam. Neue Gesetze zwangen Unternehmen dazu, genau nachzuweisen, wo ihre Daten liegen. Und große Cloud-Ausfälle machten schmerzhaft klar: Wer sich nur auf einen Anbieter verlässt, lebt gefährlich.
Der Blick auf 2026 zeigt deshalb einen Strategiewechsel. Es geht nicht mehr darum, einfach noch mehr Software-Tools zu kaufen. Es geht um das Fundament. Die Frage lautet: Sind die Daten sicher, unversehrt und jederzeit abrufbar?
Hier ist die „Data Readiness Scorecard“ für 2026. Sie hilft IT-Entscheidern (und allen, die es verstehen wollen), zu prüfen: Stehen die Signale auf Grün oder droht Gefahr?

Grüne Signale: So erreichen Sie volle Data-Resilience 2026
Wenn Sie hinter diese Punkte einen Haken setzen können, sind Sie gut aufgestellt.
1. KI-Turbos statt Daten-Stau
Warum das wichtig ist: Eine KI ist wie ein Rennwagen – sie braucht Treibstoff (Daten). 2025 standen viele teure KI-Prozessoren still, weil die Festplatten und Speicher nicht schnell genug Daten liefern konnten. Das grüne Signal: Ihre Systeme sind so schnell, dass die KI nie warten muss. Wichtiger noch: Sie wissen immer genau, woher die Daten kommen. Denn wenn eine KI mit falschen Daten trainiert wird, liefert sie falsche Ergebnisse. Transparenz ist hier der Schlüssel zum Vertrauen.
2. Der „Tresor-Modus“ gegen Ransomware
Warum das wichtig ist: Hacker nutzen mittlerweile selbst KI, um Angriffe schlauer und schneller zu machen. Einfache Sicherungen reichen nicht mehr, da Angreifer versuchen, auch die Backups zu löschen. Das grüne Signal: Ihre Speicherarchitektur besitzt eine „tiefe Unveränderbarkeit“ (Immutability). Das bedeutet: Einmal geschriebene Daten können für einen festgelegten Zeitraum nicht verändert oder gelöscht werden – nicht einmal von Administratoren oder Hackern, die Passwörter gestohlen haben. Es ist wie eine digitale Inschrift in Stein.
3. Digitale Souveränität: Ihre Daten, Ihre Regeln
Warum das wichtig ist: Ein Gerichtsurteil gegen einen Cloud-Anbieter hat 2025 gezeigt: Ein Vertrag reicht nicht. Sie müssen technisch beweisen können, wo Ihre Daten liegen. Das grüne Signal: Sie haben die volle Kontrolle. Sie wissen, ob Ihre Daten in Frankfurt oder in den USA liegen, und Sie behalten die digitalen Schlüssel dazu selbst. Sie vermeiden es, sensible Daten blind einem einzigen riesigen Cloud-Anbieter zu überlassen.
4. Unabhängigkeit von Cloud-Giganten
Warum das wichtig ist: Wenn Amazon (AWS) oder Microsoft ausfallen, steht bei vielen Unternehmen alles still. Das ist ein enormes wirtschaftliches Risiko. Das grüne Signal: Sie setzen nicht alles auf eine Karte. Ihre IT ist so gebaut, dass Sie Daten flexibel zwischen verschiedenen Clouds oder dem eigenen Rechenzentrum hin- und herschieben können. Fällt ein Anbieter aus, läuft der Betrieb woanders weiter.
5. Flexibles Wachstum (Wie Lego, nicht wie Beton)
Warum das wichtig ist: Datenmengen wachsen explosionsartig. Alte Systeme sind oft starr: Will man mehr Speicher, muss man oft unnötige Rechenleistung mitkaufen (und umgekehrt). Das grüne Signal: Ihre Architektur ist modular. Sie können Speicherplatz und Rechenpower unabhängig voneinander erweitern – je nachdem, was Sie gerade brauchen. Das spart Geld und hält Sie auch bei riesigen Datenmengen agil.

Rote Signale: Diese Risiken bedrohen Ihre Data-Resilience
Wenn Ihnen diese Szenarien bekannt vorkommen, besteht Handlungsbedarf.
1. Die „Vendor-Lock-in“-Falle
Das Risiko: Ihre Daten sind in einem speziellen Format gespeichert, das nur ein einziger Anbieter lesen kann. Wollen Sie wechseln (z. B. wegen Preiserhöhungen), wird es extrem teuer oder technisch fast unmöglich. Die Lösung: Nutzen Sie offene Standards. Ihre Daten müssen so gespeichert sein, dass Sie sie jederzeit zu einem anderen Anbieter mitnehmen können.
2. Das „Schrödingers Backup“ (Ungetestete Rettung)
Das Risiko: Sie machen Backups, haben aber noch nie probiert, ob das Zurückspielen („Restore“) im Ernstfall wirklich klappt. Viele Unternehmen merkten 2025 zu spät, dass ihre Rettungspläne in der Praxis versagten. Die Lösung: Testen Sie die Wiederherstellung regelmäßig und automatisiert. Ein Backup, das nicht wiederhergestellt werden kann, ist kein Backup.
3. KI-Blindflug (Fehlende Datenherkunft)
Das Risiko: Sie nutzen KI, wissen aber nicht mehr, welche Datenversion für das Training genutzt wurde. Wenn die KI Fehler macht, können Sie nicht nachvollziehen, warum. Die Lösung: Dokumentieren Sie alles. Jede Datenänderung und jede Version muss nachverfolgbar sein, damit KI-Entscheidungen erklärbar bleiben.
4. Cloud-Klumpenrisiko
Das Risiko: Ihre gesamte Firma hängt am Tropf eines einzigen Cloud-Anbieters („Hyperscaler“). Gibt es dort Probleme oder Streit, sind Sie handlungsunfähig. Die Lösung: Bauen Sie eine „Hybrid-Strategie“. Nutzen Sie mehrere Anbieter oder behalten Sie wichtige Teile der Infrastruktur im eigenen Haus.
5. Digitales Messie-Syndrom (Datenmüll)
Das Risiko: KI und Digitalisierung erzeugen Unmengen an Datenkopien. Niemand weiß mehr, was wichtig ist und was weg kann. Das kostet nicht nur Geld, sondern ist ein Sicherheitsrisiko (was man nicht kennt, kann man nicht schützen). Die Lösung: Räumen Sie auf. Setzen Sie klare Regeln, wann Daten gelöscht werden, und vermeiden Sie unnötige Duplikate.
Fazit für 2026
Was lernen wir aus den Fehlern von 2025? Vertrauen ist gut, technische Kontrolle ist besser.
Speicherplatz ist nicht mehr nur eine „digitale Abstellkammer“. Er wird zur wichtigsten Verteidigungslinie gegen Hacker und zur Basis für funktionierende KI.
Backups müssen kugelsicher sein (unlöschbar).
Daten müssen mobil sein (keine Abhängigkeit von einem Anbieter).
KI braucht saubere Quellen.
Wer jetzt seine Hausaufgaben macht und diese Grundlagen stärkt, geht entspannt ins Jahr 2026. Wer wartet, wird im Ernstfall unter enormem Druck reagieren müssen.
Über den Autor Paul Speciale
Paul Speciale ist Chief Marketing Officer bei Scality, einem führenden Anbieter von cyber-resilienten Speicherlösungen für Unternehmen und Behörden weltweit. Er bringt über 20 Jahre Erfahrung im Technologie-Marketing mit - unter anderem in den Bereichen Cloud Computing, Object Storage und skalierbare IT-Infrastrukturen. Vor seiner Tätigkeit bei Scality war Paul in leitenden Funktionen bei Unternehmen wie Appcara, Amplidata und Oracle tätig.
Er lebt und arbeitet in Kalifornien.




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